VW China-Chef wegen schlechter Verkaufszahlen unter Druck

BERLIN. VW-Chef Herbert Diess hat jüngst seinen China-Chef Stephan Wöllenstein intern angezählt. Die Verkaufszahlen der ID-Reihe im Reich der Mitte sind nämlich im laufenden Jahr deutlich unter den Erwartungen.

Das erfuhr Business Insider aus Unternehmenskreisen. Im Mai wurden 1500 Fahrzeuge der ID.-Familie an Kunden ausgeliefert, im Juni rund 3000, im Juli 5800, im August rund 7000 Fahrzeuge und im September nun etwa 10.000 Einheiten, sagt ein VW-Sprecher auf Anfrage von Business Insider. Für einen Volumenhersteller wie Volkswagen sind das sehr bescheidene Zahlen.

Damit die Wolfsburger das gesetzte Ziel von 80.000 bis 100.000 verkauften IDs noch erreichen, müssten sie nächsten Monat die Verkaufszahl verdoppeln und mindestens auf dem Niveau bleiben. Intern gibt es erhebliche Zweifel daran, dass das anvisierte Ziel noch erreicht werden kann. Das hat vielfältige Gründe. Insider berichten, dass Wöllenstein seinen Vertrieb schlecht aufgestellt habe, dieser sei kompliziert, kreativlos und altbacken. Es ist aber auch das Fahrzeug selbst. Insider berichten auch, dass die chinesische Konkurrenz mit ihren Autos bei den IDs mithalten könne, bei der Software sogar die Nase vorne habe und die Fahrzeuge auch noch zu besseren Preisen anbiete.

Ein VW-Sprecher weist auf Anfrage von Business Insider darauf hin, dass es schwierig sei, neue Produkte auf dem chinesischen Markt zu platzieren. Denn die Kunden würden dort vor allem Autos kaufen, die bereits erfolgreich sind. Außerdem sei die chinesische Kundschaft von E-Fahrzeugen eine ganz andere als die Verbrenner-Käufer: jünger, urbaner und anspruchsvoller beim Einkauf. Wöllenstein und sein Team müssen seit einiger Zeit ausführliche Berichte an die Konzernspitze schreiben, mit welchen Konzepten und Maßnahmen sie die Verkaufszahlen der IDs hochtreiben wollen. Wöllenstein ist an der kurzen Leine. Aus Konzernkreisen heißt es: Sollte der VW-Mann nicht die Zielmarke von 80.000 bis 100.000 verkauften E-Autos in China erreichen, wird die Luft dünn für ihn.

Die Unternehmensseite gibt sich trotz der trüben Situation in China optimistisch: „Bereits drei Monate nach Marktstart ist ID. 4 Nummer 1 im Segment der A SUVs im E-Auto Markt (in China, Anm. d. Red). Der ID.6 steht kurz nach Markteinführung unter den Top 5. Der ID.3 wird im November an die ersten Kunden ausgeliefert. Im Gesamtjahr 2021 wird Volkswagen – abhängig von der Chip-Belieferung – zwischen 80.000 bis 100.000 Fahrzeuge der ID.-Familie in China ausliefern“, sagt ein VW-Sprecher zu Business Insider.

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