Bankenpräsident fordert nach der Wirecard-Affäre härtere Regeln für Prüfer

Der Privatbankenverband BdB fordert von den Geldhäusern nach dem Betrugsskandal bei Wirecard mehr Wachsamkeit.

„Eine Lehre für die gesamte Branche ist, dass man selbst Nachforschungen anstellen sollte, wenn es Zweifel an der Solidität eines Unternehmens gibt und sich nicht nur auf das Urteil Dritter verlassen sollte“, sagte BdB-Präsident Hans-Walter Peters im Handelsblatt-Interview.

„Darüber hinaus gilt: Wenn man als Bank das Geschäftsmodell eines Unternehmens nicht versteht, sollte man keine Risiken eingehen.“
Wirecard hatte im Juni Luftbuchungen in Milliardenhöhe eingeräumt und wenig später Insolvenz angemeldet. Mehrere deutsche Banken hatten dem Unternehmen Kredite in dreistelliger Millionenhöhe gewährt und mussten deshalb hohe Abschreibungen vornehmen. Die Hauptverantwortung für den Skandal tragen aus Sicht von Peters die Wirtschaftsprüfer, die die Abschlüsse des Zahlungsdienstleister jahrelang absegneten. Für sie müsse es deshalb „schärfere Regeln“ geben, forderte Peters, der im Hauptberuf Sprecher der persönlich haftenden Gesellschafter der Berenberg-Bank ist.

Darüber hinaus plädiert Peters für eine Reform der Finanzaufsicht. „Wenn es kritische Presse- oder Analystenberichte zu Unternehmen gibt, die vom sogenannten Mainstream abweichen, müssen die Behörden dem unverzüglich nachgehen. Für solche Fälle brauchen wir eine schnelle Eingreiftruppe, die Ermittlungen aufnehmen und vor Ort Prüfungen vornehmen kann.“ Zudem müssten Technologiefirmen, die im Finanzsektor aktiv sind, „von der Bafin genauso streng überwacht werden wie wir Banken“, forderte der BdB-Präsident.

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