Ex-Geheimdienstkoordinator bestätigt Lobby-Tätigkeit für Wirecard

Der frühere Beauftragte für die Nachrichtendienste des Bundes, Klaus-Dieter Fritsche, hat Angaben der Bundesregierung bestätigt, wonach er sich im Kanzleramt für den umstrittenen Finanzdienstleister Wirecard eingesetzt habe.

Im Sommer 2019 habe ihn ein Freund gefragt, ob er für das Unternehmen einen Kontakt zum Kanzleramt organisieren könne, sagte Fritsche dem SPIEGEL. „Da es eins von nur vier Dax-Unternehmen aus Bayern ist, habe ich zugesagt und einen Termin mit Herrn Röller angefragt“, erinnert sich Fritsche. Für die Anbahnung habe er ein für externe Berater übliches Salär von Wirecard bekommen.

Die Bundesregierung hatte am Mittwoch mitgeteilt, dass Fritsche am 11. September 2019 mit Angela Merkels wirtschaftspolitischem Berater Lars-Hendrik Röller zusammengekommen war. Bei dem Treffen in der Regierungszentrale waren auch der Wirecard-Finanzvorstand Alexander von Knoop und Burkhard Ley, strategischer Berater des Unternehmens, dabei. Unmittelbar zuvor hatte sich die Bundeskanzlerin persönlich auf einer China-Reise für Wirecard eingesetzt.

Das Gespräch im Kanzleramt war nach Fritsches Erinnerung hauptsächlich ein Kennenlern-Treffen. Der Finanzvorstand von Wirecard habe Röller vorgetragen, was sein Unternehmen mache und vorhabe. Der Einstieg ins China-Geschäft sei erwähnt worden, allerdings ohne Details. „Wir haben ganz zivil geredet, es wurden keine Hilfe aus dem Kanzleramt oder gar der Kanzlerin selber eingefordert“, sagte Fritsche.

Von den Geldwäsche-Vorwürfen gegen Wirecard will Fritsche im Herbst 2019 noch nichts gewusst haben. Zwar habe der Finanzvorstand bei dem Gespräch im Kanzleramt entsprechende Vorwürfe der „Financial Times“ erwähnt, dies aber als Fehde mit einem einzelnen Journalisten dargestellt. „Ich ging damals davon aus, dass Wirecard eines der Unternehmen der digitalen Zukunft ist, deswegen habe ich ihnen geholfen“, sagt er. „Ich jedenfalls hatte keinerlei Grund, an der Seriosität des Unternehmens zu zweifeln.“

Nach dem Gespräch mit Röller sei er nicht mehr für Wirecard tätig geworden. „Es war ein einmaliger Kontakt und ein Gespräch von vielleicht 30 Minuten“, erinnert sich Fritsche. Danach habe er von Wirecard nichts mehr gehört.

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